Requiem für einen Server

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Margott
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Requiem für einen Server

Beitragvon Margott » So 14. Dez 2025, 17:57

Nun ist es also so weit: Auf der BdF-Homepage teilt der Präsident mit, dass am 20.12.25 alle noch auf dem BdF-Server laufenden Partien gestoppt und anschließend auf den ICCF-Server transferiert werden. Spätestens am 31.12. wird der BdF-Server dann also endgültig Geschichte sein. Zugleich verschwindet damit der größte Vermögenswert des Vereins.

Und das alles auf der Grundlage einer mit fragwürdigen Mitteln herbeigeführten Entscheidung, die zudem nur über eine geringe demokratische Legitimation verfügt. Konsequent wird die Agenda des Präsidenten umgesetzt. Am Ende bleibt eine ernüchternde Bilanz: Die Mitglieder verlieren dauerhaft eine bewährte Infrastruktur. Still und geräuschlos endet damit ein bedeutendes Kapitel der BdF-Geschichte.

Der große Festakt auf Schloss Neuhardenberg mit Fanfarenklängen zur feierlichen Beerdigung des BdF-Servers fällt dem Rotstift zum Opfer – jeder Euro wird bekanntlich benötigt, um dort 2026 einen möglichst glanzvollen und großartigen ICCF-Kongress zu inszenieren. Die Prioritäten sind unmissverständlich gesetzt: Glanz und Gloria. Das Bewährte wird aufgegeben, um ein fragwürdiges Prestigeprojekt zu ermöglichen.

Was jedoch nach wie vor offenbleibt: Was geschieht konkret mit dem rund 54.000 € teuren BdF-Server? Dazu herrscht seitens des Vorstands bis heute ein bemerkenswertes Schweigen.

Und „by the way“: Was ist eigentlich aus der Wiedereinführung der H-Klasse geworden? Bis heute scheint dort keine einzige Gruppe gestartet zu sein. Warum dann diese Wiedereinführung? Die Frage drängt sich auf, welchen praktischen Zweck diese Maßnahme überhaupt erfüllen sollte. Oder alles nur ein Bluff?

Unterm Strich bleibt festzuhalten:
Der BdF-Server verschwindet still und leise. Das Herzstück des Vereins wird abgeschaltet. Wir erleben das Ende einer gewachsenen Vereinsinfrastruktur – einen letzten, kaum hörbaren Schwanengesang, bevor der Vorhang fällt.

Die Vereinsführung glänzt lieber mit einem Schlossevent auf internationalem Niveau, ganz nach dem Motto: Funktionierende Infrastruktur ist vergänglich, Prestige hingegen zeitlos. Die Mitgliedschaft reagiert mit Schweigen und Teilnahmslosigkeit – aus Gleichgültigkeit? Aus Resignation?

Ob hier gerade mehr endet als nur ein Server?
Ob bereits das letzte Kapitel der BdF-Geschichte aufgeschlagen wurde?
Ganz ausschließen lässt sich dieser Eindruck nicht.
Martin Gottschlich

JoergFuchs
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon JoergFuchs » So 14. Dez 2025, 19:01

Hallo Martin!

Es sieht wohl tatsächlich nach einem völligen Aus für den BdF-Schachserver aus. Es werden dort momentan ja ohnehin hauptsächlich nur noch Pyramidepartien gespielt. Doch auch die Pyramiden ziehen ja ab 2026 auf den LSS um. Der Turnierdirektor hat das heute allen Pyramidenspielern mitgeteilt. Jede dann dort neu gespielte Partie wird ab dem 01.04.2026 mit 0,30 € berechnet. Und zwar jeweils für beide Spieler! Jeder muss daher ab diesem Zeitpunkt für sich selbst entscheiden, ob er dort dann weiterspielen möchte. Eine Bewertung/Empfehlung dafür nehme ich daher hier nicht vor. Ich halte es aber für durchaus möglich, dass es schon bald einige freie Jokerplätze mehr auf den Pyramiden geben könnte.

Norbert_Lukas
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Norbert_Lukas » Do 18. Dez 2025, 16:54

Ich habe extra 2x Remis gemacht, dass Pyramide fuer mich auf dem BdF Server beendet ist.
Sollte ja jeder pruefen, damit weniger Partien zu uebertragen sind.
Komischerweise bekam ich scheinbar eine automatische Herausforderung.
Ein Zug des Weissen fehlt auch nach 39,5 Stunden.
Warum soll man (klare) Partien beenden, wenn Umzug nicht erleichtert wird?
Gruss, Norbert Lukas

Jörg Kracht
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Jörg Kracht » Fr 19. Dez 2025, 18:18

Werter Fernschachfreund Gottschlich,
auch eine ständige Wiederholung machen Behauptungen damit nicht zur Wahrheit.
Ja, jetzt ist es soweit - ab dem 20.12.2025 wird auf dem BdF- Server kein Zug mehr gespielt werden. Und damit ist er dann auch Geschichte.
Soweit alles richtig.
Aber jetzt - der größte Vermögenswert. Beziffert auf 54.000 Euro. Belassen wir es mal auf diesen Wert.
Wo in den Büchern des BdF, wo in den Kassenberichten oder wo anders kann ich den BdF- Server als Vermögenswert finden?
Aber schauen wir doch einfach als Mitglieder in den internen Bereich und dort uns den Kassenprüferbericht für das Jahr 2022 an. Speziell den Punkt 4.
Vielleicht hilft es auch ein gewisses Problem zu erkennen.

Fakt ist inzwischen eines: Den Wechsel auf den ICCF-Server haben wir ohne Probleme vollzogen. Genauso erfolgreich werden wir nun die letzten (unter 100) Partien umziehen lassen. Und bis auf 4 Spieler sind alle anderen schon auf dem ICCF-Server aktiv.
Die Pyramiden werden auch weitergeführt. Und dies unter der bekannten Oberfläche auf dem LSS. Also auch keine Probleme zu erwarten.

Machen wir weiter mit ihren Behauptungen.
Erneut müssen wir etwas lesen von "einer mit fragwürdigen Mitteln herbeigeführten Entscheidung" welche "nur über eine geringe demokratische Legitimation verfügt".
Wurden nicht alle Mitglieder rechtzeitig eingeladen? Wurde jemanden der "Zugang" verwehrt. Wurde gar ein Satzungsverstoß begangen?
Diese Fragen kann jeder für sich selbst beantworten.

Und ja - der BdF wird erneut einen ICCF- Kongress ausrichten. Wie 2016 in Bremen, wie 2006 in Dresden, wie 1996 in Bad Neuenahr, wie 1990 in Bad Blankenburg.
Oder 1978, 1968, 1960.
Aber ja, sicher werden Sie recht haben - das macht der BdF 2026 nur um seinen Präsidenten zu huldigen und um endlich das Geld vom Konto zu bekommen. Aber seien Sie beruhigt. Zur Strafe muss der Präsident den Kongress als Hauptverantwortlicher organisieren.

Gut - soweit dazu. Jetzt noch weitere Fragen kurz beantworten.
Was geschieht konkret mit dem rund 54.000 € teuren BdF-Server?
Erst einmal nichts - einen Kaufinteressenten gibt es bisher nicht. Haben Sie Interesse?

Was ist eigentlich aus der Wiedereinführung der H-Klasse geworden?
Tja, mit ein wenig Kenntnis im Turnierbetrieb und dem Verstehen der gegebenen Verlautbarungen zu diesem Thema sollte klar sein, das es zum Serverwechsel (Mai/ Juni diesen Jahres) keinen einzigen Spieler mit einer Qualifikation für die H-Klasse gab. Dafür mussten jetzt erst einmal Turniere in der O und M- Klasse beendet werden. Jetzt bitte die Übergangsregelungen (BdF-Server) nicht vergessen. Aber das wird - inzwischen liegen bereits sechs Anmeldungen vor. Sind Sie nicht auch für die H-Klasse spielberechtigt?

Unterm Strich bleibt festzuhalten:
Erneut kommt von Ihnen nur heiße Luft - und dies sogar mit etwas strengen Geruch.
Äußerungen wie " die Vereinsführung glänzt lieber mit einem Schlossevent auf internationalem Niveau" zeigen nur eines - Unkenntnis und fehlendes Niveau.

Aber auch ich habe noch eine Frage:
Gefällt Ihnen der Spielbetrieb nicht auch auf dem ICCF-Server? Von den Anmeldungen ausgehend - ich würde sagen: ja.

Beste Grüße
Jörg Kracht

Margott
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Margott » So 21. Dez 2025, 20:00

Werter Fernschachfreund Kracht,
erlauben Sie mir, auf Ihren Beitrag einige Bemerkungen zu erwidern.
Jörg Kracht hat geschrieben:...der größte Vermögenswert. Beziffert auf 54.000 Euro. Belassen wir es mal auf diesen Wert.
Wo in den Büchern des BdF, wo in den Kassenberichten oder wo anders kann ich den BdF- Server als Vermögenswert finden?

Niemand hat behauptet, der BdF-Server werde mit exakt 54.000 € als aktiver Posten in der Bilanz ausgewiesen. Der entscheidende Punkt liegt ganz woanders – und genau diesen übergehen Sie auffällig konsequent: Der Server stellte eine über viele Jahre aufgebaute, funktionierende, vereinseigene Infrastruktur dar, die erhebliche Investitionen gekostet hatte. Er besaß damit für den Verein einen realen, strategischen Wert, unabhängig davon, ob dieser Wert bilanziell aktiviert war oder nicht.
Dass immaterielle Vermögenswerte nicht zwingend in der Bilanz erscheinen, macht sie deshalb nicht wertlos. Oder zugespitzt gefragt: Wird etwas erst dann wertvoll, wenn es in einer Tabelle steht?
Jörg Kracht hat geschrieben:Was geschieht konkret mit dem rund 54.000 € teuren BdF-Server? Erst einmal nichts.

Eine bemerkenswerte Antwort. Sie bestätigt im Kern genau das, was kritisiert wurde: Es existiert offenbar weder ein Konzept noch eine Anschlussplanung noch auch nur eine grobe Vorstellung, was mit dem Server künftig geschehen soll.
Jörg Kracht hat geschrieben:- einen Kaufinteressenten gibt es bisher nicht. Haben Sie Interesse?

Netter Gedanke – geht aber völlig am Problem vorbei. Der Server wurde speziell für die Bedürfnisse des BdF entwickelt und zugeschnitten und macht nur im Kontext des Vereins überhaupt Sinn. Für Einzelpersonen wäre er so nutzlos wie ein ausrangierter Großküchenherd im Wohnzimmer: beeindruckend, aber komplett unbrauchbar.
Jörg Kracht hat geschrieben:Erneut müssen wir etwas lesen von "einer mit fragwürdigen Mitteln herbeigeführten Entscheidung" welche "nur über eine geringe demokratische Legitimation verfügt".
Wurden nicht alle Mitglieder rechtzeitig eingeladen? Wurde jemanden der "Zugang" verwehrt. Wurde gar ein Satzungsverstoß begangen?

Formale Ordnungsmäßigkeit ist nicht mit demokratischer Legitimation gleichzusetzen. Eine Entscheidung kann satzungsgemäß zustande kommen und dennoch auf einer extrem schmalen Beteiligung beruhen - genau das ist hier der Fall.
Abstimmungsergebnisse wie 17 zu 10 oder 9 zu 5 Stimmen bei rund 1.400 Mitgliedern mögen formal korrekt sein, selbst ein Ergebnis von 2 zu 1 wäre satzungsgemäß nicht zu beanstanden. Daraus jedoch eine demokratische Legitimation durch die Mitgliedschaft abzuleiten, ist schlicht nicht haltbar. Demokratische Legitimation setzt mehr voraus als die bloße Abwesenheit von Satzungsverstößen - sie setzt eine substanzielle Beteiligung der Mitglieder voraus.
Diese Beteiligung wäre bei einer schriftlichen Durchführung der Mitgliederversammlung erfahrungsgemäß deutlich höher als bei dem offenkundig ungeeigneten Format einer Online-Versammlung. Genau diese grundsätzliche Frage nach dem geeigneten Format von Mitgliederversammlungen habe ich an anderer Stelle in diesem Forum bereits thematisiert. Der Vorstand verweigert sich jedoch bislang jeder ernsthaften Diskussion über dieses Thema.
Jörg Kracht hat geschrieben:"einer mit fragwürdigen Mitteln herbeigeführten Entscheidung"

Gerne erläutere ich diesen Punkt nochmals konkret:
Auf der Mitgliederversammlung am 14.03.2025 wurden fristgerecht eingereichte Anträge durch den Präsidenten willkürlich und rechtswidrig nicht zur Abstimmung zugelassen. Es liegt jedoch ausschließlich bei der Mitgliederversammlung, über die Zulassung oder Ablehnung von Anträgen zu entscheiden. Dieses Entscheidungsrecht wurde ihr aber entzogen, wodurch die Willensbildung der Mitgliedschaft möglicherweise entscheidend beeinflusst wurde. Genau aus diesem Grund spreche ich von einer Entscheidung, die mit fragwürdigen Mitteln herbeigeführt wurde.
Jörg Kracht hat geschrieben:Gefällt Ihnen der Spielbetrieb nicht auch auf dem ICCF-Server? Von den Anmeldungen ausgehend - ich würde sagen: ja.

Diese Schlussfolgerung ist unzulässig. Dass ich nun auf dem ICCF-Server spiele, geschieht nicht aus Überzeugung oder Zustimmung, sondern es ist schlicht der Zwang zur Anpassung. Der Wechsel zum ICCF-Server war erklärtes Ziel des Vorstands. Dieses Ziel wurde durchgesetzt. Für mich persönlich hat das allerdings die Konsequenz, dass ich künftig keine BdF-Turniere mehr spielen werde.
Jörg Kracht hat geschrieben:Erneut kommt von Ihnen nur heiße Luft - und dies sogar mit etwas strengen Geruch.
Äußerungen wie " die Vereinsführung glänzt lieber mit einem Schlossevent auf internationalem Niveau" zeigen nur eines - Unkenntnis und fehlendes Niveau.

Wer Kritik als „heiße Luft mit strengem Geruch“ abqualifiziert, ersetzt die inhaltliche Auseinandersetzung durch Polemik. Wer Kritik olfaktorisch bewertet statt inhaltlich, liefert damit unfreiwillig ein Lehrbeispiel dafür, wie sachliche Diskussionen nicht geführt werden sollten. Und genau darin liegt der eigentliche Mangel an Niveau.
Meine Aussagen mögen unbequem sein, sie sind aber weder aus der Luft gegriffen noch Ausdruck von „Unkenntnis“. Sie stützen sich durchgängig auf offizielle Vereinsdokumente - Protokolle, Beschlüsse, Newsletter - sowie auf öffentlich nachvollziehbare Zusammenhänge. Dass diese Aussagen offenbar unangenehm sind, macht sie weder falsch noch niveaulos. Demgegenüber bleibt Ihre pauschale Abqualifizierung ohne jeden sachlichen Gegenbeleg.
Kurz gesagt: Persönliche Herabsetzungen mögen emotional entlastend wirken, tragen aber nichts zur Klärung der Sache bei. Wer Kritik nicht widerlegt, sondern diskreditiert, führt keine Diskussion – er umgeht sie.
Martin Gottschlich

Norbert_Lukas
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Norbert_Lukas » Mo 22. Dez 2025, 12:25

und wer keine Zustimmung erhaelt, wird immer eine Einzelmeinung haben.
Natuerlich werden zuerst genau 54.000 EUR erwaehnt und nun auf einmal immaterieller Wert.
Der Server, der im Betrieb teurer ist als eine andere Loesung, hat keinen Wert mehr.
In der Bilanz wird er mit 1 EUR aufgefuehrt sein.

Margott
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Margott » Di 23. Dez 2025, 17:47

Norbert_Lukas hat geschrieben:und wer keine Zustimmung erhaelt, wird immer eine Einzelmeinung haben.
Diese Logik ist bestechend einfach – und ebenso falsch. Schweigen ist keineswegs automatisch mit Ablehnung gleichzusetzen. In einem Umfeld, in dem kritische Stimmen regelmäßig abgewertet, ignoriert oder mit Polemik beantwortet werden, ziehen sich viele Mitglieder zurück – nicht, weil sie überzeugt wären, sondern einfach aus Frust und Resignation. Die sogenannte „Einzelmeinung“ entsteht hier nicht aus inhaltlicher Isolation, sondern aus einer Diskussionskultur, in der immer weniger Mitglieder überhaupt noch Lust haben, sich zu äußern.
Norbert_Lukas hat geschrieben:Natuerlich werden zuerst genau 54.000 EUR erwaehnt und nun auf einmal immaterieller Wert.
Der Server, der im Betrieb teurer ist als eine andere Loesung, hat keinen Wert mehr.
In der Bilanz wird er mit 1 EUR aufgefuehrt sein.
Ach so – was nicht mehr in der Bilanz steht, existiert also praktisch nicht mehr. Nach dieser Logik wäre ein vollständig abgeschriebenes Vereinsheim vermutlich ebenfalls wertlos und dürfte bedenkenlos abgerissen werden.
Dass der Server bilanziell mit einem Erinnerungswert von 1 € geführt wurde, ist nach vollständiger Abschreibung eine rein buchhalterische Selbstverständlichkeit. Daraus jedoch zu schließen, er habe keinen Wert mehr gehabt, ist schlicht Unsinn.
Der Server stellte auch nach seiner Abschreibung weiterhin eine funktionierende, vereinseigene Infrastruktur dar, in die real 54.000 € investiert worden waren und die einen klaren funktionalen und strategischen Nutzen hatte – ganz unabhängig vom Buchwert. Abschreibung bedeutet Kostenverteilung – nicht Wertvernichtung.
Kurz gesagt: Wer den Wert eines Systems ausschließlich am Buchwert misst, verwechselt Rechnungswesen mit Realität.

HRolle
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon HRolle » Di 23. Dez 2025, 20:31

Margott hat geschrieben:Ach so – was nicht mehr in der Bilanz steht, existiert also praktisch nicht mehr. Nach dieser Logik wäre ein vollständig abgeschriebenes Vereinsheim vermutlich ebenfalls wertlos und dürfte bedenkenlos abgerissen werden.

Ein Vereinsheim kann man vermieten oder verkaufen, wenn die Betriebskosten die finanziellen Möglichkeiten des Vereins überschreiten, den BdF-Schachserver nicht.

Margott hat geschrieben:Dass der Server bilanziell mit einem Erinnerungswert von 1 € geführt wurde, ist nach vollständiger Abschreibung eine rein buchhalterische Selbstverständlichkeit. Daraus jedoch zu schließen, er habe keinen Wert mehr gehabt, ist schlicht Unsinn.
Der Server stellte auch nach seiner Abschreibung weiterhin eine funktionierende, vereinseigene Infrastruktur dar, in die real 54.000 € investiert worden waren und die einen klaren funktionalen und strategischen Nutzen hatte – ganz unabhängig vom Buchwert. Abschreibung bedeutet Kostenverteilung – nicht Wertvernichtung.

Der BdF-Schachserver ist eine Software, die jährlich eine mir nicht bekannte Summe an Betriebs- und Wartungskosten verschlingt. Tendenz sicher steigend. Einnahmen kommen in erster Linie aus den Startgebühren für die Turniere. Diese EInnahmen sinken angesicht sinkender Mitgliederzahlen und vieler interessanterer Turniere auf anderen Servern vermutlich ständig. Verkaufen oder vermieten kann man diese sehr spezialisierte Software nicht. Was soll man also machen???

Ich wünsche allen Lesern dieses Beitrags schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Viele Grüße

Hannes Rolle

Margott
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Margott » Di 23. Dez 2025, 22:00

Ja, ein Vereinsheim kann man verkaufen oder vermieten. Einen hochspezialisierten Schachserver nicht. Umso bemerkenswerter wirkt Ihr resignierendes „Was soll man also machen???“. Genau hier hätte es einer Strategie bedurft: Weiterentwicklung, Kostenreduktion, ein tragfähiges Konzept, eine Anschlussplanung – zumindest eine grobe Vorstellung davon, was mit dem Server künftig geschehen soll. Nichts davon ist erkennbar.

Dass der BdF-Server laufende Kosten verursachte, ist weder neu noch überraschend. Infrastruktur kostet eben Geld – immer. Auch ein Vereinsheim verursacht Unterhaltskosten, selbst dann, wenn gerade niemand darin tanzt.

Dass die Software nicht ohne Weiteres „verkaufbar“ ist, spricht übrigens nicht gegen ihren Wert.

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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon HRolle » Mi 24. Dez 2025, 11:51

Das entscheidende Problem für den Rückgang des allgemeinen Interesses am Fernschach ist meiner Meinung die Tatsache, dass heute im Prinzip nicht mehr FSF Meier gegen FSF Schulze spielt sondern Stockfish gegen Stockfish. Eine Remisquote von 90% und mehr ist da eigentlich ganz normal aber stinklangweilig für Meier und Schulze. Postfernschach ist keine Alternative, insbesondere wenn demnächst das erste Land (Dänemark) die Zustellung von Briefen und Karten per Post einstellen wird (außerdem spielt ja da auch Stockfish gegen Stockfish).

In diesem Forum wurden ja schon verschiedene Möglichkeiten wie zusätzliche Wertungen für Remispartien oder "Unbalanced Openings" diskutiert, überzeugt hat mich keine. Bei ersterem würde wahrscheinlich die Risikobereitschaft schon in der Eröffnung noch weiter sinken, das andere ist nur eine andere Form von Thematurnieren, die in der Vergangenheit nicht gerade an der Beliebtheitsspitze standen.

Ich bin offen für weitere Vorschläge, wie man das Fernschach wieder interessanter machen kann - habe aber selbst keine (leider). Sollten keine weiteren Vorschläge kommen, nutzen
Margott hat geschrieben:Weiterentwicklung, Kostenreduktion, ein tragfähiges Konzept, eine Anschlussplanung
für den Server gar nichts. Eventuell muss dann in 5-10 Jahren der ICCF-Server auch eingestellt werden und Fernschach wie wir es kennen Geschichte sein...
Viele Grüße

Hannes Rolle

JoergFuchs
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon JoergFuchs » Mo 29. Dez 2025, 11:17

Hallo Hannes!

Danke für Deine Ausführungen, die ich gerne unterstreiche. Ich sehe es im Prinzip auch so. Man könnte also auch Analyseschach (ich nenne es hier natürlich nicht Fernschach) gegen sich selbst spielen. Bringt das was? Natürlich nicht! Ich spiele Fernschach, genau wie Du, schon seit vielen Jahren. Früher vertrat ich die Auffassung, dass ggf. der gewinnt, der das "Werkzeug" Schachengines am besten nutzt, also die genaueren Analysen erarbeitet. Durch die sehr hohe Rechentiefe von Stockfish kann man aber auch diese Einschätzung vergessen. Sogenannte Horizonteffekte sind damit quasi ausgeschlossen.

Nun aber noch etwas bzgl. der "Unbalanced Openings". Hier gibt es meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten.

1. Wenn nach dem vorgegebenen Eröffnungsabspiel eine Seite so vorteilhaft steht, dass die Stellung dann z.B. für Weiß gewonnen ist, bringt das ja auch keinen Vorteil, weil der Gegner, der die gleiche Eröffnung dann auch mit Weiß spielt, ebenfalls gewinnen wird.

2. Reicht der Eröffnungsvorteil nicht zu einer Gewinnstellung, bleibt es wie bisher auch: Beide Seiten spielen dann Remis.

Also sind die "Unbalanced Openings" auch keine wahre Zauberlösung. Doch das hast Du ja auch schon erkannt.

HRolle
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon HRolle » Mo 29. Dez 2025, 19:05

Eine - schon länger zurückliegende - Idee habe ich doch noch. Allerdings rechne ich damit, dass sie von einer klaren Mehrheit abgelehnt wird.

Warum werden bei Start des Turniers nicht nur die Startreihenfolge sondern auch die zu spielende Eröffnung zufällig ausgewählt ?? Bei über 10000 Möglichkeiten in der Datei scid.eco (siehe z,B. den Quelltext von ScidvsPC) sollte es möglich sein, in einem 15-er Turnier (= 105 Partien) alle Partien mit einer anderen Eröffnung zu beginnen. Das ist wahrscheinlich auf einem Server einfacher zu implementieren, als man im ersten Moment denkt. Für den Turnierleiter wäre es 0 zusätzliche Belastung.

Allerdings kann man damit natürlich als Spieler ganz schön in die Sch... greifen. Gleiche Bedingungen für alle gibt es dann nicht mehr. Andererseits dürfte der Anteil an entschiedenen Partien steigen. Ich rechne optimistisch mit 20-30% entschiedenen Partien.

Vergleichbar ist das alles mit Chess960, nur mit mehr Eröffnungsmöglichkeiten.
Viele Grüße

Hannes Rolle

Schachhai
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Schachhai » Mo 29. Dez 2025, 19:51

Hanes - warum so kompliziert ?
Die unbalanced openings funktionieren doch wie man sieht
Man muss wieder wie früher mehr Zeit investieren
und die Engine im richtigen Moment überstimmen
VG
H Krauß

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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon JoergFuchs » Di 30. Dez 2025, 17:46

Hallo Hannes!

Die von Dir angedachte Idee scheint zwar recht naheliegend zu sein, bringt aber keinen Lösungsansatz. Grund: Die meisten Eröffnungen (Spanisch, Französisch, Sizilianisch usw.) führen zu Stellungen, die in den Fernschachdatenbanken mehrfach enthalten sind und eben meist zu einem Remis führen.

Wenn Engines Wettkämpfe austragen, werden die herkömmlichen Eröffnungen grundsätzlich nicht mehr verwendet, weil die Partien sonst zu 99% Remis enden. Verwendet werden hier auschließlich die "Unbalanced Openings". Im Moment daher wohl noch die Beste Lösung auch für Fernschach.

Margott
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Re: Requiem für einen Server

Beitragvon Margott » Di 30. Dez 2025, 20:43

Wieder einmal ist es geschehen, dass der Fokus eines Threads vom eigentlichen Thema weg gelenkt wurde. Ausgangspunkt war das Ende des BdF-Servers und die damit verbundenen Fragen. Inzwischen diskutiert man über Stockfish, 90-%-Remisquoten und philosophiert über den allgemeinen Niedergang des Fernschachs. Damit wurde der Blick von dem abgezogen, worum es hier eigentlich ging: um die Zukunft des BdF, die wenig erfreuliche aktuelle Lage des Vereins und den Anteil, den der Vorstand mit seinen Entscheidungen daran hat.

Zur Erinnerung: Um diese konkreten Punkte ging und geht es – und sie bleiben vom Vorstand weiterhin ohne jede substanzielle Antwort:

- Für den Vorstand stand erkennbar vor allem eines im Vordergrund: den BdF-Server möglichst rasch abzuschaffen, um finanzielle Mittel für den ICCF-Kongress 2026 freizumachen. Ein Konzept, eine Anschlussplanung oder auch nur eine grobe Vorstellung davon, was mit dem Server künftig geschehen sollte, existieren offenbar nicht. Hauptsache, der Kongress ist in trockenen Tüchern.
- Die grundsätzliche Frage nach einem geeigneten und demokratisch legitimierendem Format für die Mitgliederversammlungen.
- Der zunehmende Rückzug vieler Mitglieder aus Forum und Mitgliederversammlung – aus Frust, Resignation oder dem Gefühl heraus, ohnehin nicht gehört zu werden.
- Die seit Jahren sinkenden Mitgliederzahlen.

Diese Punkte sind nun durch den Themenwechsel ganz in den Hintergrund geraten. Der „Remistod des Fernschachs“ ist zweifellos ein sehr ernstzunehmendes Thema – aber das gehört in einen anderen Thread.


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